Bildung auf hohem Niveau

Bildung auf hohem Niveau

Das Bildungssystem in Kolumbien ist bekannt für sein hohes Niveau. Immerhin gehören die Universitäten des Landes zu den Besten in ganz Lateinamerika. Das zeigt sich auch in der Politik. Bildung hat einen hohen Stellenwert bekommen und ist jenes Ressort, das über das größte Budget des Landes verfügt. Trotz dieser guten Grundvoraussetzungen ist eine umfangreiche Ausbildung nicht für alle jungen Einwohner des Landes in gleicher Form verfügbar. Das befeuert die soziale Ungleichheit in den verschiedenen Regionen Kolumbiens.

Die vier Stufen der Ausbildung

Das kolumbianische Bildungswesen besteht aus insgesamt vier Stufen. Die Schulpflicht beträgt neun Jahre. Diese gilt zwar theoretische für alle Schüler, doch nur 85 Prozent der Kinder des Landes werden auch tatsächlich eingeschult. Mit vier bzw. fünf Jahren erlernen die Schüler in der Vorschule das Lesen. Nach fünf Jahren in der Grundschule wechseln sie für vier Jahre in eine weiterführende Schule. Damit wäre die Schulpflicht abgeschlossen. Wer weitere zwei Jahre anhängt, erlangt die Hochschulreife. Diese entspricht dem deutschen Abitur. In diesen zwei Jahren sind die verschiedensten Spezialisierungen in der Ausbildung möglich. Damit ist man für den Eintritt in eine Universität qualifiziert, kann aber auch die verschiedensten Berufsausbildungen im technischen, sozialen und pädagogischen Bereich beginnen. Die staatlichen Schulen in Kolumbien sind kostenlos, doch sie verlangen eine Schuluniform. Daran scheitert in armen Familien oftmals schon der Schuleintritt. Gerade in ländlichen Gebieten kommt es öfters vor, dass mehrere Altersstufen von Schülern gemeinsam unterrichtet werden. Dort müssen viele Schüler nebenbei Geld verdienen, um ihre Eltern zu unterstützen. In den sogenannten „Neuen Schulen“ lernen die Kinder mit Unterstützung von Lehrern selbstständig nach eigenem Tempo.

Hohes Stadt-, Landgefälle

Die Qualitätsunterschiede zwischen dem städtischen und dem ländlichen Raum sind also groß. Das gilt auch für staatliche und private Schulen. Diese verlangen Schulgebühren und sind daher nicht allen Menschen zugänglich. Das führt dazu, dass die soziale Benachteiligung der Kinder bereits in der Schule beginnt. Die teuren Privatschulen bereiten ihre Schüler auf die Universität vor, während die staatlichen Schulen am Land gerade ein Grundniveau an Bildung weitergeben können. Das zeigt sich auch an der Zahl jener Menschen, die einen Berufstitel erhalten haben. In der Hauptstadt des Landes, Bogota, sind es immerhin 40 Prozent, am Land oft nur drei Prozent. Wer es bis zur Hochschulreife geschafft hat, kann nun in einer der 80 Universitäten des Landes eintreten. Diese sind nicht nur theoretisch, sondern auch sehr praxisnah orientiert. Damit erfüllen sie auch die Funktion von Berufsausbildungen und Berufsschulen.

Hohes Stadt-, Landgefälle
Hohes Stadt-, Landgefälle

Hohe Gebühren an privaten Universitäten

Die bekanntesten Universitäten haben ihren Sitz in der Landeshauptstadt. Während die 32 staatlichen Hochschulen ihre Gebühren am Einkommen der Eltern orientieren, heben die privaten Universitäten hohe Studiengebühren ein. Wer es an eine staatliche Hochschule schaffen will, muss zunächst anspruchsvolle Aufnahmeprüfungen bestehen. Um diese bestehen zu können, ist eine gute Vorbildung notwendig. Hier schließt sich also der Kreis. Wer aus ärmlichen Verhältnissen kommt und keine gute Grundausbildung genossen hat, schafft die Aufnahmeprüfung in den seltensten Fällen. Das führt dazu, dass viele Schüler ihre Ausbildung vorzeitig beenden und als Hilfsarbeiter ihr Einkommen verdienen.